Gründung und Entwicklung bis zum 1. Weltkrieg

Bis 1902 gab es in dem etwa 1900 Einwohner zählenden Langenargen noch keine organisierte Turnerschaft. Am 1. Juni des Jahres allerdings warben Mitglieder des damaligen "Stenotachygraphen- Vereins" nach dem Gottesdienst für einen Turnverein. Von 15 männlichen Interessenten entschlossen sich im damaligen Gasthof und Badhotel "Zum Hirsch" (neben der heutigen kleinen Turnhalle) zur Gründung eines Turnvereins: Eduard Halter, Uhrenmacher; Max Renner, Friseur; Reinhard Guter, Praktikant; Paul Burnitz, Küfer; Erwin Münch, Praktikant; Wilhelm Vischer, Hotelier; Max Baron, Kaufmann; Friedrich Lutz, Hotelier; Carl Jakob, Kaufmann; August Jäger, Zahntechniker; Anton Hirscher, Friseur; Baptist Hohweiler, Schuhmacher.

1902 1918

Schon am 22. Juni warb der Turnverein Friedrichshafen als Patenverein Langenargens mit einem Schauturnen auf dem Turnplatz beim "Hirsch" (dem ehemaligen Schuhhaus Höhn), umrahmt von einem Umzug mit Musik. Daraufhin meldeten sich weitere aktive und passive Mitglieder für den neuen Verein, der nach 1 Monat nun 37 Mitglieder hatte.
Begeisternde Eindrücke vom Besuch des Gauturnfestes in Leutkirch beflügelten den weiteren Aufbau. Während der Wintermonate stellte Hotelier Vischer sein Lokal für Barren-, Pferd- und Freiübungen zur Verfügung. Am 26. Oktober veranstaltete der Turnverein auf dem Turnplatz beim Gasthof "Hirsch" erstmals ein Schau- und Preisturnen mit eigenen Aktionen und den Turnvereinen Friedrichshafen und Hemigkofen-Kressbronn. Auch diese Veranstaltung kam sehr gut an, und einige bekannte Persönlichkeiten, wie Schultheiß Fricker, Fabrikant Hauth und Sattlermeister Hillebrand traten dem Verein bei.
Auf der ersten ordentlichen Hauptversammlung am 6. März 1903 wurden gewählt: Vorstand: Schüle, Turnwart: Halder, Kassierer: Singer, Zeugwart: Burnitz, Schriftwart: Baron, Beisitzer: Schrag, Rieger und Wieladt.
Mangels geeigneten Turnraumes ließ die Begeisterung nach, und im Winter 1903/04 musste der Turnbetrieb sogar unterbrochen werden. Geheimrat von Leube stellte für die Aufbewahrung der Geräte (1 Reck, 1 Barren, 1 Pferd, 1 Matte und 2 Sprungbretter) einen Raum im Münzgebäude zur Verfügung. Wegen Schließung des "Hirsch" mussten Freilandaktivitäten 1904 auf dem neuen Turnplatz hinter dem Gasthof "Zur Fahne" in der Oberen Seestraße stattfinden. Nach erneuter Zwangswinterpause bis 1905 wollte man endlich wieder einmal in der Öffentlichkeit auftreten. Zusammen mit dem Radfahrverein wurde im Hotel "Schiff" ein Faschingsball (später: Turnerball, mit Unterbrechungen bis 1977) veranstaltet. Sogar eine Damenriege war dabei. Neben turnerischen Einlagen bot man auch noch Tanzunterhaltung. Doch auch in der Folge konnte mangels geeigneter Räumlichkeiten kein regelmäßiges Turnen durchgeführt werden, und es kriselte im Turnverein. Schließlich wurde der Turnbetrieb ganz eingestellt. Die Geräte wurden unter der Aufsicht von Kassier Eduard Jäger im Waaghaus am Bahnhof aufbewahrt.
Erst 1909 stellte Herr Weiger, neuer Besitzer des "Hirsch", für Turnstunden im Sommer wieder den Platz und im Winter den damaligen Tanzsaal, die heutige kleine Turnhalle, zur Verfügung. Doch bald mussten die Turner ihre Geräte wieder einpacken, weil sie von Nachbarn des Tanzsaales angefeindet wurden. Vorübergehend kamen sie in der alten Parkettfabrik in der Mühlstraße unter.
Nach weiterem Wechsel in die Scheune des Gasthofes "Adler" zogen die Turner 1912 zurück in die Räume des inzwischen gemeindeeigenen "Hirsch". Dank dieser festen Bleibe ging es nun mit dem Turnbetrieb spürbar aufwärts. Erstmals wurde sogar eine Versicherung gegen Turnunfälle abgeschlossen. Auch die Turngeräte wurden mit 500 Mark versichert.
1913 trat der Verein mit 77 Mitgliedern in den Gau Oberschwaben, Turnkreis Schwaben, ein. Der Aufschwung wurde jedoch jäh durch den Ausbruch des 1. Weltkriegs unterbrochen, und ein für den 2. August 1914 geplantes Waldfest mit "Seebeleuchtung" und Gondelfest musste wegen der Mobilmachung ausfallen.

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